Berichte 2010

Aus dem Weihnachts-Rundbrief 2010 von LHL:

KONGO – KILUEKA


Bild: Feldarbeit auf dem eigenen Grundstück:

2008 begannen Herr Konda und ich ein Projekt in seinem Heimatdorf Kilueka, 150 km südlich von Kinshasa in der Dem. Rep. Kongo. 20 Frauen und 5 Männer aus 10 Dörfern schlossen sich zusammen um einen Verein zu gründen. Der Verein heißt „Songanzila e.V.“, das bedeutet „Den Weg zeigen“. Alle Mitglieder sind Multiplikatoren, die ihr Wissen in ihren Dörfern und Umgebung weitergeben.

Sie bekamen 3000 qm Land, das aber zuerst nach und nach urbar gemacht werden musste. Inzwischen wachsen Maniok, Bananen und die Heilpflanze Artemisia, deren Tee bei Malaria hilft. Die Frauen haben jetzt mehrere Moringabäume frisch gepflanzt. Die proteinreichen Blätter dieses Baumes können geerntet und als Spinat gekocht werden. Das ist eine wunderbare Nahrungsergänzung bei Mangelernährung von Kindern! Wir würden auch gerne noch verschiedene Obstbäume pflanzen.

Das Multifunktionshaus, das zwar dem Verein gehört aber von der gesamten Bevölkerung genutzt werden kann, ist fast fertig. Es fehlt noch die Inneneinrichtung. Hier finden Seminare zu Gesundheit, Ernährung, Mangelernährung bei Kindern, Hygiene, Umweltprobleme, Abholzung, etc. statt. Unser Ziel ist „Hilfe zur Selbsthilfe“ ohne Abhängigkeit.

In der Gegend rund um Kilueka lebt die Bevölkerung fast ausschließlich vom Ackerbau. Es werden hauptsächlich Maniok, Erdnüsse, Mais, Sesam und etwas Gemüse angebaut, alles in mühsamer Handarbeit. Die wichtigsten Werkzeuge sind die Hacke, das Buschmesser und manchmal ein Spaten. Bis heute wird hier fast alles auf dem Kopf transportiert. Oft werden so über 40 kg mehr als 15 km weit getragen! Es gibt nur vereinzelt Fahrräder, die dann auch meistens für den Transport genutzt werden.

Auch wenn man sich das in Kilueka nicht vorstellen kann, so ist nur etwa 120 km weit entfernt die Feldarbeit mit Rindern schon seit der Kolonialzeit bekannt und Handwerker stellen vor Ort das Material und Zubehör für das Gespann, den Pflug und den Karren her. Der Ackerbau ist eine mühsame und harte Arbeit. Wenn eine Frau ein Feld von 1 Hektar alleine bestellen würde, so bräuchte sie dafür mit der Hacke 100 Tage! Werden Rinder für die Feldarbeit eingesetzt, dann ist ein Feld von 1 ha in 2-3 Tagen bestellt!!! Ein Karren, der von Ochsen gezogen wird, kann mühelos eine halbe Tonne über mehrere Kilometer transportieren! Jetzt muss nur noch die Erfahrung der Feldarbeit mit Rindern nach Kilueka gebracht werden!

Zusammen mit der Eine-Welt-Gruppe Lippetal haben wir 2 Ochsen gekauft. Schon bald sollen sie in Kilueka zusammen mit 2 Männern aus dem Dorf für die Feldarbeit ausgebildet werden. Nutznießer wird der Frauenverein sein, aber die ganze Gegend wird davon profitieren.

Augustin Konda lebt mit seiner Familie in einem armen Vorort von Kinshasa, ganz in der Nähe seines kleinen Gesundheitszentrums.

Die kleine Solaranlage, die ich letztes Jahr mitgenommen hatte, leistet wirklich gute Dienste!


                       Bild: Besuch einer Frauengruppe in Kilueka

Sie reicht aus, dass keine Geburten mehr im Dunkeln stattfinden, sondern im Schein der LED’s! Es gibt in Kinshasa nirgendwo ausreichend Strom. Jetzt haben in diesem Vorort vor ein paar Wochen auch noch zwei Stromgeneratoren gebrannt. Das bedeutet, dass es jetzt noch weniger und noch seltener Strom gibt! Wie gut, dass dann wenigstens im Gesundheitszentrum die LED’s trotzdem leuchten!

Viele Frauen bringen ihre Kinder in diesem Gesundheitszentrum zur Welt. Immer wieder gibt es aber Mütter, die leider eine medizinische Versorgung, z.B. 15 USD für eine  Geburt mit Nachsorge nicht bezahlen können. Das ist wirklich eine schwierige Situation für das Personal, weil sie eigentlich keine schwangere Frau abweisen und diese halt dann trotzdem versorgen. Wenn es ein Budget für solche Fälle gäbe, wäre das eine große Erleichterung.

Im September 2010 war Augustin Konda für 2 Wochen hier im Lippetal und Umgebung zu Gast. Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle an alle Beteiligten, die in irgendeiner Weise für einen abwechslungsreichen Aufenthalt beigetragen haben! Das gegenseitige Kennenlernen war schon sehr wichtig, auch für das Gelingen der verschiedenen Projekte.

Wir hoffen sehr, dass wir noch ein paar Spender finden und dann auch das Rinderprojekt realisieren können, denn ein Ochsengespann ist ein riesiger Fortschritt für diese Gegend! Für das Multifunktionshaus würden wir gerne die Inneneinrichtung vor Ort kaufen oder bauen lassen. Außerdem möchten wir noch verschiedene Obstbäume anpflanzen um einmal der einseitigen Ernährung entgegenzuwirken, aber auch um gegen die starke Abholzung anzugehen. Wir wollen darauf aufmerksam machen, wie wichtig Obstbäume für die Ernährung sind und dass sie nicht mehr für wenig Geld gefällt und als Brennholz verkauft werden sollen! Bis heute kann man sich in Kinshasa nicht auf regelmäßigen und ausreichenden Strom verlassen. Zum Kochen benutzt die 10 Millionenmetropole hauptsächlich Holz und Holzkohle aus dem Bas-Conga, also aus der Gegend um Kilueka!

Hierzu und für unsere anderen Vorhaben benötigen wir Ihre Unterstützung.

Spenden-Vermerk: „Kongo-Kilueka“

Herzlichen Dank und viele Grüße auch aus Kilueka und von Augustin Konda aus dem Kongo!

Irène Freimark-Zeuch

Info: www.l-h-l.org .. Projekte .. Kongo /West

Lernen-Helfen-Leben e,V., Volksbank

Vechta e.G., Konto 135875808, BLZ

28064179




Der kongolesische Projektpartner Augustin Konda war September/Oktober 2010 in Deutschland. Hier ein Bericht des Soester Anzeigers vom 24.10.2010


Kilueka – Projekt im Westkongo


Die Frauen in Kilueka arbeiten fleißig auf ihrem Feld. Sie sind sehr stolz, Mitglieder des Vereins „Songa Nzila“ (= „Den Weg zeigen“) zu sein, denn es ist der einzige Verein weit und breit! Das Haus hat inzwischen ein Wellblechdach bekommen, die Türen und Fenster sind noch in Arbeit.

Audry Konda hatte ja eine Fortbildung zum Lorena-Ofenbauer gemacht. Da er in Kinshasa wohnt und studiert, hat er auch sein erstes Seminar in Mingadi, einem Vorort von Kinshasa, abgehalten. Die Lorena-Öfen trocknen noch … In wenigen Wochen fährt er nach Kilueka und wird dort mit den Leuten Lorena-Öfen bauen. Wir sind gespannt, wie der neue Ofen von der Bevölkerung im Bas-Congo angenommen wird! Diese Gegend liefert sehr, sehr viel Holz nach Kinshasa. Die Hauptstadt hat einen immensen Bedarf an Holz, denn bis heute wird auch dort vorrangig mit Holz gekocht!!!

Im Juni haben wir vor Ort 2 junge Rinder gekauft. Unweit von Kilueka gibt es zwar Rinder, aber die Feldarbeit mit Rindern ist nicht bekannt. Ein Spezialist und ein Tierarzt werden unser Rinderprojekt über mehrere Jahre begleiten. Der Spezialist wohnt ca. 100 km westlich und arbeitet seit über 20 Jahren mit Ochsen auf dem Feld. Er kommt nach Kilueka und wird hier 2 Männer zusammen mit den beiden Rindern bzw. Ochsen ausbilden. Das Ochsengespann wird schon bald den Frauen die schwere Feldarbeit erleichtern. Nutzniesser ist der Frauenverein „Songa Nzila“.

Als ich letztes Jahr nach Kinshasa flog, hatte ich eine kleine Solaranlage im Gepäck. Sie wurde in Herrn Kondas Gesundheitszentrum in Bumbu, in einem armen Vorort von Kinshasa, installiert. Seither brennen bei Stromausfall die LED’s der Solaranlage, die einzige Solaranlage im weiten Umkreis!

Wir alle, Augustin Konda, die Frauen aus Kilueka und ich möchten uns für die Unterstützung ganz herzlich bedanken.

( I. Freimark-Zeuch, Rundbrief LHL, August 2010)