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Bienenzucht in Kilueka


Die Analyse:

Bienenhaltung zur Regeneration der Wälder im

Gebiet von Madimba

Provinz Bas-Congo, Demokratische Republik Congo


1. Situationsanalyse

Seit rund 30 Jahren hat der kongolesische Staat nichts unternommen, um den Erhalt der Elektrizitätswerke und des Verteilungsnetzes, welche die Hauptstadt Kinshasa und das Land versorgen, sicherzustellen.

Das Netz ist in einem fortgeschrittenen Stadium des Zerfalls, überlastet und total unzureichend für eine Hauptstadt, die rasend schnell und anarchisch expandiert. Rund 80% seiner 10 Millionen Einwohner nutzen täglich Holzkohle oder Holz als Energiequelle für die Küche.

Die Provinz Bas-Congo liegt in unmittelbarer Nähe von Kinshasa und erleidet daher eine Entwaldung, wie man sie nie zuvor gesehen hat, weil die Hauptstsdt mit Holzkohle und Brennholz versorgt werden muss. Die Entwaldung wird verschlimmert durch das Wachsen der Landbevölkerung, verursacht durch das Fehlen von Industrie und durch unangepasste Landwirtschaftliche Techniken wie Brandrodung und Wanderfeldbau, die den Boden total erschöpft haben.

In der Region Bas-Congo gehören die Böden im allgemeinen den Clans. Der Boden ist geheiligt, schafft den Bezug zum Clan und stellt die Verbindung zwischen den Lebenden und den Ahnen her. Die Erde ist ererbt von den Ahnen und der Reichtum des Mukongo. Die Verteidigung des Bodens kann das Opfer des eigenen Lebens erfordern.

Vor 1990 konnte man durch eine einfache Bitte an den Clanchef gratis Böden für die Anlage von Feldern bekommen. Seit 1990 haben die Armut und der Durst nach Geld die Inhaben von Bodenrechten veranlasst, die Kultur und den geheiligten Charakter der Erde zu vergessen! Der Boden, insbesondere der Wald, ist mehr und mehr zu einer Ware, einer Einkommensquelle geworden. Heute wird zum Beispiel ein Feld von 30 x 50 m für zweijährige Nutzung für 30 USD vermietet.

Waldgrundstücke sind sehr gesucht und sehr teuer; der Besitzer taxiert den Wert nach der Anzahl der Säcke Holzkohle, die man daraus gewinnen kann. In letzter Zeit ziehen Köhler und Holzfäller mit ihren Motorsägen durch die Dörfer und feilschen um Waldparzellen zu Preisen, die 1000 bis 1500 USD pro Hektar erreichen. Angesichts der Versuchung des leichten Geldes gibt es nur wenige Clanchefs, die es sich versagen, ihre letzten Waldparzellen zu verkaufen, auch wenn es sich um Friedhöfe der Ahnen oder ehemaligen Siedlungsgrund der Ahnen handelt !!

Als dramatische Konsequenz dieser rasanten Entwaldung der Provinz sind die Wälder selten geworden und der Boden hat seine Fruchtbarkeit mehr und mehr verloren. Gleichzeitig sind Produkte des Waldes, die früher den Sammlern und Jägern von der Natur geboten wurden, selten geworden. Zahlreiche Arten von Raupen, Pilzen, Nagern, Termiten, Kleinwild, Großwild, Vögeln, Honig und Eichhörnchen gehören für die Kinder von heute zur Welt der Legenden. Diese Produkte der Sammeltätigkeit oder der Jagd bildeten eine wichtige Eiweißquelle für die Bevökerung der Region Madimba. Heute gibt es einen erheblichen Eiweißmangel im Gebiet. Man kann sich auch schwer vorstellen, dass z.B. in der Gegend von Lemfu die Ölpalme, die Hauptquelle von Speiseöl, selten geworden ist. Überall in der Gegend mangelt es an Baumaterial, das früher durch den Wald geliefert wurde. Zahlreiche Arten von Wildpflanzen sind verschwunden: Gnetum africanum, Salacia pynaertii, Capsicum sauvage, etc. Schlimmer noch, selbst totes Holz als Brennholz ist auf den Feldern schwer zu finden.


2. Kontext und Begründung 

Das Naturschutzwissen der Alten – NKUNKU –, die bestimmte Teile der Savanne vor Buschfeuern schützten und sie mit Nutzpflanzen anreicherten, damit daraus Wald entsteht, ist noch lebendig in der Bevölkerung. So können die Clans eifersüchtig über ihre Wälder wachen, wie es die Ahnen getan haben, aber auch gleichzeitig Geld verdienen und die Ressourcen des Waldes nutzen, in dem sie Bienenzucht betreiben! Auf einem Hektar « Honigwald » können zehn bewohnte « kenyanische » Bienenstöcke 15-20 Jahre lang etwa 200 Liter Honig pro Jahr im Wert von 1000 USD produzieren, ganz abgesehen vom Bienenwachs, Honigwein und allen Produkten, die die Natur großzügig zur Verfügung stellt. Es genügt Bescheid zu wissen und mit der Bienenzucht vertraut gemacht zu werden..

Es ist wahrhaftig nicht notwendig, den Sitz der Ahnen zu profanieren, das Gedächtnis des Clans, seine Kultur und die Umwelt zu zerstören !

Seit 2008 habe ich als technischer Berater des Bienen-Projekts APEFE CK 302 der belgischen Entwicklungszusammenarbeit im Nachbardistrikt Cataractes die Bemühungen der Bauern, welche die Vorteile der Bienezucht entdeckt hatten, um den Schutz ihres Waldes erlebt,

Und : wenn die Inhaber der Bodenrechte selbst Bienenzüchter werden, wer wird dann noch die Wälder für einen Spottpreis den Köhlern ausliefern und das Leben Vieler in Gefahr bringen ?

Unsere Strategie ist daher, die Clans, die traditionellen Eignentümer der Böden zu begleiten bei ihrer Wiederanknüpfung an die Kultur des NUNKU und ihren Wald zu schützen wie es die Ahnen getan haben, und gleichzeitig den größtmöglichen Nutzen darsus zu ziehen ohne ihm zu schaden, und zwar mittels der Bienenzucht

3. Operative Zielsetzung

  • Im Gebiet von Madimba 100 Clans, die über Bodenrechte verfügen, über 15-20 Jahre zu begleiten beim Schutz und Aufwuchs von 1000 Hektar Jungwald,

  • Die 100 Clans anzuleiten, die 1000 Hektar anzureichern mit gefährdeten Pflanzenarten, insbesondere, wenn diese als Bienenweide oder als Wirtspflanzen für eßbare Raupen geeignet sind,

  • 200 junge Bienenzüchter aus den 100 Clans in Bienenzucht auszubilden, um die Funktion der 100 Höfe sicherzustellen,

  • In den 1000 Hektar 100 Bienenzuchtbetriebe mit insgesamt 3000 Bienenstöcken zu errichten,

  • 10 Einheiten für die Verarbeitung und den Verkauf der Produkte (Honig, Bienenwachs usw.) zu schaffen,

  • 100 junge Leute der Dörfer des Projekts in der Herstellung und der Nutzung des Holzsparofens « Lorena » zu schulen,

  • Die Verbreitung des Holzsparofens « Lorena » zu fördern und so die Verwendung des Drei-Steine-Feuers zurückzudrängen, und damit auch um den häuslichen Verbrauch von Brennholz und die Entwaldung zu vermindern.


Kinshasa, 01 Dezember 2010

Augustin Konda Ku Mbuta

Anamed RD Congo et Songa Nzila ASBL

(Übersetzung: Dr.Paul Krämer, Soest)


Der Beginn des Projektes:


Liebe Irène,
Seit Dienstag, dem 6. April 2011 bin ich zurück in Kinshasa. Kilueka hat eine intensive Woche mit dem Verein Songa nzila erlebt. Es gab viel Arbeit und viel Freude, wie Du auf den Fotos sehen kannst! Die Herstellung der Bienenstöcke ist weit fortgeschritten und im Prinzip muss ich am 14. oder 15. April wieder hin, um die Bienenstöcke in den
Wäldern aufzubauen. Es gibt schon sechs Wälder, die wir für das Bienenprojekt und zum Schutz der Wälder zur Verfügung gestellt bekommen haben! In drei Wäldern haben wir die Wege vorbereitet, zum Aufstellen der Bienenstöcke. Bei meinem 2. Besuch am 14. April werden dann in den anderen drei Wäldern die Wege freigeräumt! Ja, das Bienenprojekt zum Schutz der Wälder hat in der Bevölkerung viel Interesse ausgelöst und
die Chefs und die Clans sind schon auf uns aufmerksam geworden!
Also, die Frauen und Männer von Songa nzila e.V. grüssen Euch ganz herzlich. Sie sind sehr zufrieden mit ihrem Haus, das bald fertiggestellt sein wird und mit der Bienenzucht, die schon funktioniert.
Gut, ich denke die Fotos können mehr ausdrücken als ich!!!

Augustin Konda





Konda sägt in Kinshasa die Latten für die Bienenstöcke


In Kilukea werden die Bretter abgeladen...


Das Abladen ist beendet.


Jacqueline und Mado


Das Mitglied Lampy


Der Sekretär Laurent


Der Verein Songa nzila freut sich über die Bienenstöcke.


Kenianischer Bienenstock...


Herstellung der Bienenstöcke in Kilueka


Umgebung von Kilueka - Die Wälder sind abgeholzt. Zum Schutz der Restbestände werden Bienenstöcke aufgestelllt.


Vorbereitungen im Wald


Hier wird bald ein Bienenstock aufgestellt.