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Kongoreise 08/IV


Freitag, 8. August 2008

Am nächsten Morgen steht schon das Frühstück auf dem Tisch, Brot, Margarine, Spiegelei und Nescafé. Die Toilettenspülung funktioniert nicht, also muß mit einem Eimer nachgeholfen werden. Und zum Waschen bekomme ich eine Waschschüssel voll Wasser und kann draußen auf dem Mäuerchen Gesicht und Hände waschen und die Zähne putzen.



Die Pension gehört übrigens einem führenden Politiker aus Kaziba, der jetzt in Kinshasa lebt. Irgendwie ist alles wie in Europa gebaut, aber die Verhältnisse sind trotzdem wie in Afrika. Anschließend fahren wir zurück nach Mushenyi. Heute wollen wir die Berge besteigen, die bepflanzt werden sollen. Eine schöne Wanderung durch ein Tal, das weitgehend kahl ist und über Berge, die allesamt zwischen 2100 und 2.300 Meter hoch sind. Hier kommt richtige Urlaubsstimmung auf und die Vorstellung, daß hier in wenigen Jahren viele tausend Bäume gepflanzt sind und wachsen ist natürlich sehr erfreulich.



Das Mwigamba-Tal von Mushenyi, in dem die nächste Bepflanzung mit Bäumen durchgeführt werden soll.

Nach dem Mittagessen müssen wir Abschied nehmen von Mushenyi. Doch zuvor besichtigen wir noch den ersten Lorena-Ofen, der gleich hinter dem Zentrum von CDEP in einer Hütte gebaut wurde und auf dem Bild unten zu sehen ist:

In Mushenyi können wir auch den ersten Rocket-Stove-Lorena bei der glücklichen Besitzerin besichtigen. Die Dame ist besonders glücklich, daß ihre Hütte jetzt rauchfrei ist...

Auf dem Rückweg von Mushenyi sehen wir in der Nähe des Schildes, das wir schon bei der Hinfahrt photographierten, unten im Tal diese zweite Baumschule unserer Partnerorganisation. Diese Baumschule bereitet Maßnahmen der Agroforstwirtschaft vor. Wir sehen hier überall Maniokfelder rundrum auf verarmten Böden. Mit den Pflanzen dieser Baumschule soll hier eine Strukturveränderung stattfinden, damit die Böden verbessert werden und wieder eine größere Nutzpflanzenvielfalt gedeihen kann. Überall auf den Feldern und an ihren Rändern werden dann Bäume  und an vielen Stellen auch Leguminosen gepflanzt.

Und in solchen Hütten sind auch die Kinder von Mushenyi zu Hause. Dieses Bild entstand allerdings ein paar Kilometer weiter, in Kaziba, wo die Kinder den photographierenden Muzungu bestaunen...

Nach dem Mittagessen verlassen wir Mushenyi und begeben uns auf die Rückfahrt, allerdings nicht nach Bukavu, sondern nach Uvira. Der Weg windet sich erstmal wieder die Serpentinen runter durch das Rusiz-Tal, dann kommen wir wieder in die Talaue mit den vielen rauchenden Komposthaufen und schließlich stoßen wir auf die Hauptstraße Bukavu-Uvira. Wir fahren also nicht links weiter nach Bukavu, sondern nach rechts. Die Straße steigt steil an, hier sind nochmal einige Berge zu überwinden und dann plötzlich haben wir den Blick frei, tief hinunter ins Tal des Rusizi, also des Flusses, der vom Kivu- in den Tanganjikasee fließt und dabei über 700 Meter Hohenunterschied zu bewältigen hat. Sämtliche Wolken, die uns noch im hochgelegenenen Rusiz-Tal begleitet hatten, sind verschwunden und schon im Wagen wird's drückend heiß. Uvira hat ein komplett anderes Klima als der Rest vom Süd-Kivu. In Uvira ist es drückend heiß, besonders jetzt in der Trockenzeit. Und wir fahren jetzt allmählich hinunter durch das Rusizital. Auch hier windet sich die Straße durch die Seitentäler immer weiter runter. Wir sehen unter uns die Straße schon in zwei verschiedenen Ebenen. Da also müssen wir überall noch runter. Straße ist gut gesagt. Der Fahrer muß immer wieder größten Wackersteinen ausweichen und unser Jeep hinterläßt gewaltige Staubwolken. Natürlich müssen wir bei der Hitze die Fenster geöffnet halten, aber sobald uns ein Wagen entgegenkommt, schließt Bosco, unser Fahrer automatisch sämtliche Fenster, denn sonst hätten wir bald Staublunge... Immer wieder müssen wir "liegengebliebene" Autos überholen. Bei diesen katastrophalen Straßenverhältnissen ist eine Reifenpanne oder Schlimmeres nicht ganz ungewöhnlich. Die Lastwagen, die uns entgegenkommen sind nicht nur oft mit vielen Säcken beladen, sondern obendrauf sitzen auch noch zahlreiche Passagiere.



Auf einmal haben wir einen wundervollen Blick direkt hinunter in das Rusizital und gegenüber ist schon Ruanda, denn der Fluß ist gleichzeitig die Grenze zwischen den beiden Ländern.

Nach einer endlos langen Fahrt durch diese Nebentäler immer weiter runter, sehen wir endlich Kamanyola, wo die Ebene beginnt - und wo auch die einzige von Mobutu in der Region gebaute geteerte Straße verläuft, der wir dann noch 90 km lang folgen müssen.


Natürlich geht jetzt die Fahrt zügiger voran, aber immer wieder muß der Fahrer ganz langsam fahren, weil in den Ortschaften die Bewohner, nun ja, wie in den Wohnvierteln in deutschen Städten, Steine und Erde quer über die Straße gelegt haben, damit die Autos die Geschwindigkeit reduzieren. Offensichtlich ist dies nötig, sonst hätte man auch dort im Kongo nur noch "Raser".

Typische Szene am Rande der Straße von Kamanyola nach Uvira.

Schließlich nähern wir uns Uvira, was sich durch erheblich intensiveren Verkehr ankündigt und vor allem durch viele viele Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, oder mit dem Fahrrad. Das Fahrrad scheint derzeit überhaupt "in" zu sein. Viele Menschen benutzen dies, oft zu zweit oder sogar zu dritt.

Bei meinem letzten Besuch war Uvira praktisch ein ganz verschlafenes Provinznest, fest im Griff von irgendwelchen Militärs. Man konnte fast keinen Schritt tun, ohne deren Genehmigung. So sehr viel hat sich da nicht geändert, denn auch unser Besuch mußte angemeldet werden und die Behörden waren bestens informiert. Aber Uvira selbst bietet ein völlig anderes Gesicht. Auch hier ein Bauboom und sofort ist zu sehen, daß die Stadt ein Schmelztiegel ist. Hier findet sich der wichtigste Hafen für den Ostkongo, der die Waren aus Tansania aufnimmt, die über Dar-es-Salam eingeführt werden und in Kagoma auf ein Schiff gelangen. Uvira hat inzwischen viele neue Geschäfte. Auch hier floriert der Handel, genau wie in Bukavu. Wir sind im gleichen Hotel untergebracht wie schonmal, aber in einem modernen Neubau gegenüber, nur wenige Schritte vom Tanganjikasee entfernt. Noch kurz vor Einbruch der Dunkelheit laufen wir hinunter zum See, der an diesem Abend durchaus aufgewühlt ist. Wir scherzen, dies sehe so aus wie bei der stürmischen Ostsee. Nun ja, irgendwas ist da dran. Im Hotel ist man stolz auf modernste Technik, die Fenster haben Fliegengitter gegen die Moskitos und angeblich sollen die Lampen auch Moskitos vertreiben. Aber nach einer kurzen Ruhe von 15 Minuten auf dem Bett bin ich total zerstochen - also alles ist wirkungslos und ich bitte doch sehr darum, daß ein Moskitonetz aufgehängt wird, was dann auch problemlos gemacht wird. Uvira ist sehr viel heißer als Bukavu. Wir sind sozusagen im Hochsommer angelangt und in der Nähe des Sees vermehren sich diese Biester mit Leichtigkeit.

Am Abend planen wir den nächsten Tag und schauen noch eine Weile in den Fernsehapparat, wo das kongolesische Programm läuft. Auch hier ist wieder die Werbung hochinteressant, die keine "Marken-" sondern "Produktinformation" gibt. Ich finde dies eine sehr seriöse Art der Werbung. Hier kommen nun aber auch die ersten Nachrichten von den furchtbaren Kriegsereignissen in Georgien. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen sehr früh, weil wir auch in Uvira wieder Berge besteigen müssen - und die Mittagshitze soll unerträglich sein...


Samstag, 9. August 2008

Das Hotel liegt unmittelbar neben einer Moschee und zunächst war ich froh, daß wir in der Nacht zum Samstag übernachteten und nicht in der Nacht zum Freitag, wie bei letztenmal. Seinerzeit begann der Imam um 04.30 Uhr in der Frühe seine Gläubigen auf den islamischen Freitag einzustimmen mit langen Gebeten und Litaneien. Aber leider geschieht dies nicht nur freitags. Auch an diesem Samstag ist die Nachtruhe um 04.30 Uhr dahin, als plötzlich, noch vor dem ersten Hahnenschrei ein herzergreifendes "Ummaaaaaaaah" der Nacht ein Ende machte, das dann überhaupt nicht mehr aufhören wollte. Danach wären dann auch sämtliche Hähne Uviras wach und krähten um die Wette. Um 06.00 Uhr mußte dann offenbar schon wieder der Gebetsteppich ausgerollt werden, jedenfalls ertönte dann das nächste "Ummaaaaaaah". Und das ging so weiter. Ich weiß nicht wie oft, aber mittags und abends auch.

Die Moschee von Uvira

So diskret fragte ich dann mal, was denn die Christen der Nachbarschaft zu diesem Lärm denn sagen würden. Wie könne man das denn jeden Tag ertragen? bei allem Respekt und religiöser Toleranz... Tja, man habe sich halt daran gewöhnt. Was könne man auch machen? Doch ein Freund wußte Rat und erzählte die Geschichte von Bunia. Dort hätten die Christen eines Tages die Nase voll gehabt von dem "Ummaaaaaah", hätten ein Schwein geschlachtet und in die Moschee geworfen. Sämtliche Muslime seien vor Schreck geflohen und seitdem habe man Ruhe gehabt....

Natürlich ist das nicht wirklich eine Lösung und in Düsseldorf, wo ich zu Hause bin, mußte in den letzten Jahren eine Kirche nach der anderen ihr Morgengeläut einstellen, weil Nachbarn dies als "ruhestörenden Lärm" empfanden und sich beschwerten. Ja, sogar immer mehr Kirchturmsuhren müssen sogar über Nacht mit ihren Stundenschlägen schweigen, weil die vom Straßen- und Autolärm geplagte Menschheit den Unterbruch der Nachtruhe durch Glockenschläge nicht mehr ertragen kann. So würden Imame in Deutschland jedenfalls nicht viele Chancen haben...

Schon vor 7 Uhr sitzen wir alle beim Frühstück und kurz danach geht's los. Diesmal müssen wir nicht lange fahren. Die geplanten Aufforstungen sollen schon kurz vor den Toren Uviras beginnen. Wir fahren zur ersten Baumschule und treffen dort den Projektleiter und den Chief de Groupement, also den Vertreter des Mwamis. Dieses Chief begleitet uns dann den ganzen Tag und ist auch bei der Abschlußveranstaltung nochmal dabei. Ein wirklich engagierter Mann, der uns sehr beeindruckt. Die erste Baumschule, neben einem Bach, der aus dem Gebirge kommt, ist erst neu eingerichtet. Wir sind zunächst etwas konsterniert über die Arbeit der Baumschulgärtner, die schon "Foilcontainer" gefüllt haben und dorthinein den Samen gesteckt haben. Unsere Fachleute sind entsetzt: Man hat den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht. Die Samen müssen erstmal in Beete gesät werden, nach einigen Monaten werden sie dann erst in die Foilcontainer umgepflanzt, kurz bevor sie an Ort und Stelle eingepflanzt werden können. Irgendwas scheint hier schiefgelaufen zu sein, obwohl doch erst zwei Wochen zuvor die Fortbildung lief. Die jungen Baumschulgärtner machen ansonsten einen guten Eindruck. Sie haben nur getan, was ihnen angeordnet wurde. Also ein Problem der Leitungsebene. Wir knöpfen uns die Person am Abend vor. Der Mann hatte das immer so gemacht und ignoriert, daß wir jetzt etwas effektiver arbeiten wollten. Also: entweder er akzeptiert das oder ist seinen Job los. Anders geht's nicht. Bei allen drei Baumschulen das gleiche Bild. Und dabei machen die jungen Baumschulgärtner wirklich einen ausgesprochen guten und fleißigen Eindruck. Welch ein Glück, daß alles am Anfang ist und wir noch rechtzeitig korrigierend eingreifen können. Emmanuel, der Projektleiter aus Bukavu, wird nächste Woche seinen Agronomen aus Luhwindja nach Uvira schicken, der dann dort nochmal nachschaut. Anschließend besteigen wir uns die Hügel an, die bepflanzt werden sollen. Auch hier bin ich zuerst erschrocken. Welch ein steiniges Gelände! Man wird erst die vielen Steine aufsammeln müssen.


Doch etwas weiter ist dies schon geschehen und dort wird sogar Maniok angebaut. Und Innocent, der Botaniker, ist ganz begeistert: Hier stand vor 20, 30 Jahren noch Primärwald, also ursprünglicher Regenwald und die meisten Pflanzen sind irgendwie noch vorhanden. Wenn wir schaffen, diese Flächen aufzuforsten, wird alles, was hier früher mal wuchs, wiederkommen. Die Aufforstung wird zwar schwierig sein und man wird nicht dicht pflanzen können, aber sie wird leisten können, daß jene Pflanzen, die heute nur noch Sträucher sind, sich wieder voll entfalten können. Eigentlich eine optimale Fläche. Und der "Chief" erklärt, daß die Bevölkerung in diesem Gelände auch keine Buschfeuer lege. Nach einem längeren Marsch, bergauf, bergab, bin auch ich überzeugt und freue mich, in wenigen Jahren hier hoffentlich wieder viele Bäume wachsen sehen zu können...

Am späten Vormittag, als die Hitze unerträglich wird, fahren wir zurück zum Hotel. Doch die Fahrt wird abgebremst durch "begehrliche" Polizisten, die nichts besseres zu tun haben, als schlicht Geld zu verlangen, vielleicht, weil ihr Gehalt zu niedrig ist. Jedenfalls hatten sie keine Grund uns etwa ein Knöllchen zu verpassen. Unser Fahrer jedoch ist Profi. Er schaut den Polizisten an wie sein höchster Chef und drückt aufs Gas. Doch der Polizist ist auch nicht dumm und nimmt sich den nächsten Motorrad-Taxifahrer und kommt uns hinterher. So geht's durch Uvira bis zu unserem Hotel in einer Nebenstraße, das der Motorrad-Taxifahrer verpaßte, doch der Polizist dirigiert ihn zurück. Wir fahren in den geschlossenen Hof des Hotels, die Mzungus werden dort ausgeladen und dann haben die Kongolesen mit dem Polizisten "ein Hühnchen zu rupfen". Draußen vor dem Tor geht's heftig zu. Am Ende kommen sie wütend und triumphierend wieder rein. Sie haben ihn abgewimmelt. Bestechungsgelder würden sie nicht zahlen und er habe nur die Absicht gehabt aus nichtigen Gründen Geld zu fordern, weil nämlich da weiße Leute seien, wo man annähme, daß sie reichlich davon hätten. Noch wird im Kongo der Polizei der Marsch geblasen, nicht umgekehrt. Besonders Verkehrspolizisten müssen sich erst noch bewähren....

Nach dem Mittagessen fahren wir zurück in den Vorort, wo die Aufforstungen stattfinden sollen. Dort, in einer Schule, haben sich zahlreiche Bauern, einige Soldaten, Frauen und Kinder versammelt, um mit uns über das Vorhaben der Aufforstung zu sprechen.



Wir erklären die Pläne, beschreiben ausführlich, welche lokale Eigenbeteiligung nötig ist, aber auch, welche Vorteile die Bauern haben werden, die mitmachen, nämlich den Erwerb eines Lorena-Ofens, von Obstbäumen und von Kenntnissen zur Agroforstwirtschaft. Wir fragen, ob man bereit sei, freiwillige Arbeitsleistungen zu erbringen, damit die Aufforstung gelinge - und alle Hände gehen hoch. Ja, man ist bereit. Und man wolle auch den Nachbarn darüber berichten und sie motivieren mitzumachen. Zum Schluß gibt's noch Fanta für jeden, was im Kongo soviel ist wie Freibier. Am Abend fahren wir zurück zum Hotel.

Sonntag, 10. August 2008

An diesem Sonntag hatten wir den Wunsch, einen Gottesdienst zu besuchen. Und da Uvira eine nagelneue orthodoxe Kirche besitzt, die auch noch in der Nachbarschaft des Hotels liegt, hatten wir die Freude, einer Liturgie der Ostkirche beiwohnen zu können.


Der Chor sang einfach wunderbar. Man hatte griechische Melodien, aber sang mit afrikanischem Schwung, sodaß der Rhythmus ganz klar afrikanisch war. Die Kirche liegt unmittelbar am Tanganjikasee.


Anschließend liefen wir am Seeufer entlang zurück zu unserem Hotel. Nach dem Frühstück begaben wir uns auf den Rückweg und hatten noch zwei Besichtigungen auf dem Programm: In Kasenga, war vor wenigen Jahren die Drainage erneuert worden, ein Projekt, das mit Unterstützung von Dialog International und dem BMZ realisiert werden konnte.


Wir schauten uns an, was getan wurde, Eine Reihe von Abwasserkanälen war gelegt worden, viele neuralgischen Punkte waren mit festen Steinmauern befestigt worden. Da Uvira nun nicht jede Woche ein Hochwasser hat, waren viele der Kanäle schon wieder angefüllt mit Unrat. Wir empfahlen den verantwortlichen Leuten, hier Säuberungsaktionen durchzuführen, damit, wenn wirklich mal wieder Sturzregen kommen, die Wasser auch ordentlich abfließen können. Insgesamt schienen die Arbeiten korrekt ausgeführt worden zu sein. Anfang 2005 hatten in diesem Viertel heftige Regenfälle schwerste Schäden und sogar Todesfälle verursacht, weshalb diese Erneuerung der Drainage dringlich war.

Danach fuhren wir ein Stück weiter nach Kasenga. Dort befinden sich Reisfelder und ich hatte diese schon 2004 besichtigt. Seinerzeit war die dortige Drainage in einem ziemlich desolaten Zustand, sodaß nur wenige Reisfelder gut bewässert werden konnten.


Durch ein anderes Projekt von Dialog International mit Unterstützung des BMZ wurde inzwischen die Drainage erneuert und heute erblicken wir Reisfelder soweit das Auge schaut....


Alles ist ordentlich bewässert und man fährt reichlich Ernten ein. Im Hotel von Uvira hat man uns Reis von Kaliba serviert und ich muß gestehen, daß ich in meinem ganzen Leben noch nie solch guten Reis gegessen habe. Wir hatten seinerzeit auch eine Reismühle finanziert, die heute noch in Betrieb ist, allerdings ein paar Kilometer von Kaliba entfernt. Heute würde eine weitere Reismühle direkt in Kaliba gute Dienste leisten...

An diesem Sonntagvormittag, als wir die Reisfelder besichtigten, waren die wasserreichen Kanäle, die später in die verschiedenen Felder kanalisiert werden, aktiv benutzt, z.B. von zahlreichen Waschfrauen und von einzelnen Personen, die gerade im Wasser ihre Morgentoilette besorgten. Die Gegend ist außerdem wirklich sehr fruchtbar. Früher war hier in der Nähe einmal eine Zuckerfabrik und man hat reichlich Zuckerrohr angebaut. Aber auch die Reisfelder heute helfen der Bevölkerung in erheblichem Maße das Ernährungsproblem zu lösen.

Nach der Besichtigung der Reisfelder nehmen wir Abschied von Uvira und fahren zurück nach Kamanyola und dann durch das Gebirge zurück nach Bukavu. Dort angekommmen steuern wir recht hungrig sofort wieder unser Lieblingslokal "Mama Kindju" an, um am späten Nachmittag unser Mittagsmahl einzunehmen....


Montag, 11. August 2008

Heute steht die Fahrt nach Kamisimbi auf dem Programm. Auch in Kamisimbi soll aufgeforstet werden und weil die Fahrt nicht besonders weit ist, lassen wir uns am Morgen etwas Zeit. Dann fahren wir mit dem Jeep hinter Bukavu die Hügel hoch, immer höher Richtung Walungu, und plötzlich sind wir wieder auf 2000 - Meter - Niveau. Tief unten sehen wir den Kivusee. Touristisch wäre dies ein hervorragender Ort. Doch Kamisimbi, konkret Muku, wo wir heute einkehren, ist heute nicht auf Touristen eingerichtet. Man hat ganz andere Probleme. Die Landwirtschaft in dem Ort liegt im Argen. Die Gegend hat einen übermäßigen Bestand an Eukalyptus-Bäumen - mit der Konsequenz, daß die Böden ausgetrocknet sind und verarmen. Unglaublich aber wahr: In Kamisimbi wird heute gehungert, weil die Böden nicht mehr genug hergeben. Hier war es, wo Jugendliche und Erwachsene mir signalisierten, daß sie Hunger haben. Sie kreisten mit ihrer Hand um ihren Bauch und dann in den Mund. Mehr ist nicht nötig, um mitzuteilen, wo der Schuh drückt. Die Landwirtschaft, die wir sahen, war äußerst spärlich.



Doch wir werden von einer traditionellen Musik- und Tanzgruppe empfangen und viele, viele Menschen waren bei der Kirche von Muku zusammengekommen, um uns zu begrüßen.

Innerhalb der Kirche hielten wir dann unsere Versammlung ab. Wir stellten das Projekt vor, so wie zuvor schon in Mushenyi und Uvira und fragten die Bauern, ob sie bereit seien, die lokale Eigenbeteiligung zu leisten. Auch hier war eine überwältigende Mehrheit dazu bereit. Darüberhinaus legten die Frauen und Jugendlichen Zeugnis dafür ab, daß sie bereit seien, bei dem Projekt mitzuwirken und für die Entwicklung der Region sich einzusetzen.




Und zum Schluß übergaben wir auch hier dem Chief de Groupement, also dem Vertreter des Mwamis, des Königs, ein Päckchen mit Quinoa und empfahlen die Aussaat. Vielleicht würde dies in Zukunft die Ernährungssituation von Kamisimbi etwas verbessern.... Später zeigte uns der Pastor noch den Pfarrgarten, der zwar terrassenförmig angelegt, aber ziemlich unbearbeitet war, was nicht nur an der Trockenzeit lag. Und darunter wünschte er die Anpflanzung eines Waldes....



Hinter der Kinderschar von Muku geht's hinab in den derzeit unbearbeiteten Pfarrgarten, darunter soll der Wald gepflanzt werden. Hinten links Innocent, Emmanuel und der evangelische Pastor von Muku.

Danach wanderten wir noch hinunter ins Tal, wo eine der beiden Baumschulen von Kamisimbi zu besichtigen war. Auch hier hatte man kurz vorher die ersten Samen ausgesät und einen Schutz darüber befestigt.



Eine der beiden Baumschulen in Kamisimbi bzw. Muku, unten im Tal, durch welches ein Bach fließt. Doch das Tal ist eingerahmt von Eukalyptus-Bepflanzungen, welche auch die Böden in der Talaue immer weiter austrocknen... Hier ist eine Strukturveränderung durch Agroforstwirtschaft nötig und soll im nächsten Jahr angegangen werden!

Dann fuhren wir weiter zu einem anderen Tal, wo noch eine Baumschule zu besichtigen war. Beide Baumschulen sollten erstmal Pflanzen für "Agroforstwirtschaft" produzieren. Unsere Partner haben beschlossen, im ersten Jahr hier den Schwerpunkt auf diesen Bereich zu legen, damit die Böden verbessert wird und damit auch die Ernährungssituation der Bevölkerung. Wenn dies erst einmal geleistet wurde, dann kann unsere Partnerorganisation auch in Kamisimbi daran gehen, größere Flächen wirklich aufzuforsten und Wälder zu pflanzen.

Am Nachmittag fahren wir zurück, runter nach Bukavu. Jetzt müssen wir beginnen, an unsere Rückreise nach Deutschland zu denken. So ist der nächste Tag nicht verplant....



Sonnenuntergang oberhalb von Bukavu bei der Rückfahrt von Muku.


Dienstag, 12. August 2008

Eigentlich hätte ich heute ausschlafen können, doch natürlich bin ich um 6 Uhr morgens hellwach und muß mich auch beeilen, wenn ich frischen Kaffee trinken will, denn kurz später wird mit Sicherheit der Strom abgeschaltet. Bukavu und die gesamte Region lebt mit regelmäßigen Stromabschaltungen. Stromversorgung gibt's natürlich nicht überall. Auch viele Stadtteile von Bukavu liegen tief im Dunkeln. Doch in den etwas "besseren Vierteln" gibt's grundsätzlich Strom, wenn  denn genug Wasser im Rusizi ist, denn dieser  wird bei den Wasserfällen dieses Flusses hinunter in den Tanganjikasee produziert und zwar sowohl für den Kongo als auch für Ruanda.  Und wie überall, so sind auch in Bukavu elektrische Geräte ziemlich beliebt und je mehr angeschaltet sind... Nun ja. Kongolesen haben dann noch ein spezielles Problem. Ein Schalter schreit ja nicht, wenn er ausgeschaltet werden will. So bleibt alles mögliche immerzu an und wenn der Strom abgeschaltet ist, dann merkt das eh keiner. Und wenn der Strom wieder da ist, dann brennen in Bukavu soundsoviele Glühbirnen auch am hellen Tag, weil niemand auf die Idee kommt, diese auch mal wieder auszuschalten. Auch der Fernseher läuft immerzu, ob jemand hinschaut oder nicht, auch wenn niemand da ist. Umwelterziehung müßte also auch im Kongo groß geschrieben werden.  Heute morgen lassen wir uns Zeit. Ich plaudere mit David, der mir das Frühstück bringt und gerade sein Abitur gemacht hat. Demnächst möchte er studieren, doch die Frage, was er denn studieren möchte, kann er noch nicht beantworten. David ist in Bukavu aufgewachsen, obwohl seine Eltern vom Umland kommen, wo auch seine Großeltern leben. Diese hat er seit seinem 7.Lebensjahr nicht mehr gesehen. Die Eltern haben einfach kein Geld, ihm die Fahrt dorthin zu bezahlen. Und zu Fuß hingehen ist etwas zu weit. So hat er bisher nicht sehr viel mehr gesehen als Bukavu. Die Stadt ist zwar riesig und hat irgendwie auch einiges zu bieten, aber ein 18jähriger braucht eigentlich etwas mehr...  Aber David kann schon ganz gut kochen und sorgt hingebungsvoll für mein leibliches und sonstiges Wohl. Wir erzählen den halben Vormittag und gehen dann rüber zum CAP, um Andreas abzuholen und dann einen Bummel durch das Viertel zu machen, das in unmittelbarer Nachbarschaft zur ruandischen Grenze liegt. Heute können wir uns endlich mal alles in Ruhe anschauen, was sonst nur beim eiligen Vorbeifahren mit dem Auto zu bestaunen ist.



Neubau oberhalb des Rusizi-Tals. Im Hintergrund schon Ruanda.

Später fahren wir in die Innenstadt und besichtigen auch noch die Kathedrale von Bukavu.


Hier wird mir immer rätselhaft bleiben, weshalb den Kongolesen dort drinnen und draußen ein schneeweißer Christus am Kreuz gezeigt wird. Völlig absurd. Wenn schon, dann lebte der Herr Jesus in Palästina, wo die Menschen eher kaffeebraun sind. Aber ein schneeweißer  Mensch am Kreuz?  Man könnte viel mehr argumentieren, daß ungeheuer viele Kongolesen ihr Kreuz tragen mußten, als Sklaven auf dem Weg in die "Neue Welt", als  Leibeigene des belgischen Königs Leopold II, der jenen, die nicht genug Kautschuk sammelten, die Hände abhacken ließ, als Lakeien der belgischen Kolonialherren, die ihnen, wenn's hoch kam, gerade mal Volksschulbildung zukommen ließen, sodaß bei der Unabhängigkeit im ganzen Land gerade mal ein Dutzend Menschen Hochschulbildung hatten - und diese saßen dann in der Regierung Lumumbas, denn die Belgier nach der Unabhängigkeit schleunigst zu beseitigen trachteten, was ihnen via Salzsäure dann auch gut gelang...
So haben die Afrikaner viele Kreuze zu tragen und in Äthiopien, das fand ich dann ein paar Tage später in einem Kunstgewerbeladen am Bole-Flughafen, hat man dies auf die Spitze getrieben. Jedes Kreuz, das dort zu erwerben ist, sieht wieder etwas anders aus. Äthiopische Kreuze sind so vielfältig wie die Menschen vielfältig sind. Einfach wunderbar.

In Bukavu mußten wir an diesem Tag noch eine Regelung für die Buchprüfung des neuen Projektes treffen, was uns schließlich gelang und dann ging's am Abend schon ans Packen, denn am nächsten Tag würde dafür nicht viel Zeit zur Verfügung stehen...

Mittwoch, 13. August 2008

Für diesen Mittwoch hatten wir die Repräsentanten aus den drei Projektstandorten: Mushenyi, Uvira und Kamisimbi nach Bukavu eingeladen zur Vertragsunterzeichnung. Doch zuvor, am Vormittag hatte ich noch einige Termine im Büro der Partnerorganisation ADMR. Danach entdeckten wir einen Kunstgewerbeladen, wo wir uns mit Geschenke für unsere Freunde in Deutschland eindecken konnten: Masken, Schmuck, Mobile aus Draht und Bananenblättern, Holzschnitzereien und vieles mehr.
Am Nachmittag schließlich versammelten wir uns im CAP, dem Protestantischen Zentrum. Vor dem Eingang hing ein großes Transparent zur Eröffnung des Projektes zum Aufforstung im Kivu. Das Fernsehen war gekommen, eine Radiojournalistin und dann begann der offizielle Teil. Wir stellen das Projekt vor, der Vertreter des Wiederaufbauministeriums sprach, ein anderer Vertreter des regionalen Umweltministeriums, dann ich von LHL und schließlich verschiedene Projektvertreter.



Dann wurden die Verträge zwischen ADMR und LHL unterzeichnet, die eigentlich schon zwei Monate vorher vereinbart worden waren und schließlich jene zwischen der ADMR und den lokalen Gruppen in den drei Projektstandorten. Von überall waren Vertreter gekommen, die Vorsitzenden der Partnerorganisationen, die Vertreter der jeweiligen Könige, also der tradionellen Chefs und aus Kamisimbi war auch der Pastor mitgekommen. Sie alle hielten kleine Reden und anschließend saßen wir zusammen zum Essen. Dann hatten wir noch ein Fernsehinterview gegeben, was auch nicht alle Tage vorkommt und am meisten verwirrte mich die Frage, ob wir nicht auch demnächst im Nord-Kivu solche Projekte durchführen wollten. Was sollte ich denn darauf antworten? Sollte ich sagen, dafür müsse erstmal der Tutsi-General Nkunda friedlicher werden?
Seit dem Abend wurde der Bericht über unser Projekt im Fernsehen mehrmals wiederholt, doch als ich dies schauen wollte, fiel gerade mal wieder der Strom aus. So saß ich komplett im Dunkeln, als draußen etwas Licht flackerte. Bosco, Emmanuel und Innocent waren gekommen und die kleinen Lampen ihrer Handies beleuchteten etwas den Vorraum. Sie wollten sich von mir verabschieden. Innocent schaltete noch seinen Laptop an, dessen Batteriebetrieb uns etwas mehr Licht spendete. Wir zogen Resumée meines dreiwöchigen Aufenthalts im Kivu und ich kann sagen, wir waren sehr zufrieden. Alles hatte geklappt und wir hatten alles erledigt, was wir uns vorgenommen hatten. Innocent hatte den ganzen Tag am Computer gesessen und schon einige Texte dazu geschrieben und vor allem seine Bilder auf meinen Stick kopiert. Als sie sich verabschiedeten, saß ich wieder im Dunkeln. Und mußte auch bei tiefster Finsternis den Weg ins Moskitonetz und ins Bett finden. Doch dort hatte ich keine Ruhe. Irgendwie war eines dieser Biester unter das Netz gelangt. Ich war todmüde und konnte nicht schlafen. Doch plötzlich war der Strom wieder da. Ich konnte Licht anmachen und fand das Vieh ganz oben im Netz und dann nahm ich die Jagd auf das Vieh auf und habe an diesem letzten Abend in Bukavu doch tatsächlich ein Moskito ermordet. Dann hatte ich Ruhe und konnte, unter dem schützenden Netz das Brrrrrr der Moskitos außerhalb des Netzes getrost ertragen und entschlief in irendwelche Träume, die übrigens im Kongo grundsätzlich und immer in Deutschland stattfanden....

Donnerstag, 14. August 2008

Schon um sechs Uhr wurde ich von Emmanuel und David geweckt. Jetzt mußte gepackt werden, um 7 Uhr hatten wir uns im CAP zum gemeinsamen Frühstück verabredet.



Dort war sogar Marcus vom Roten Kreuz erschienen zum Abschied sicherlich 15 weitere Freunde, die uns in den letzten Wochen so nahe Freunde geworden waren. Wir erzählten noch etwas und mußten dann um 8 Uhr aufbrechen zur Grenze. Dort wartete schon ein Taxi auf uns, das wir am Vorabend bestellt hatten. Vielleicht hätten wir auch mit dem Bus fahren können, aber natürlich durften wir den Flieger am Nachmittag nicht verpassen. So zahlten wir lieber zehnmal soviel für das Taxi und hatten die Gewähr pünktlich anzukommen. Der Abschied an der Grenze war kurz und schmerzlos. Die Ruander wollten wieder ihr Visapapier ausgefüllt bekommen und dann waren wir schon im anderen Land. Das Taxi brauste los, hinter uns winkten die kongolesischen Freunde, die uns noch bis zur Grenze begleitet hatten. Für mich waren drei sehr intensive Wochen zu Ende gegangen. Und jetzt lagen noch über 300 km bis Kigali vor uns. Zunächst ging die Fahrt entlang der Teefelder von Cyangugu und dann gelangten wir in den Nationalparkt des Nyungwe Berg-Regenwaldes. Schon bei der Hinfahrt hatten wir hier einen kurzen, aber heftigen Regenschauer erlebt - und das mitten in der Trockenzeit. Heute war strahlender Sonnenschein. Und wir konnten die Fahrt durch diesen wunderschönen Wald voll genießen.



An einer besonders exponierten Stelle hielt der Fahrer an und wir konnten weit ins Tal und über die fernen Hügelketten schauen. Irgendwo, ganz hinten, mußte das Rusizi-Tal sein. Doch hier war überall nur Wald zu sehen, keine kahlen Berge. So muß es auch einmal im Ostkongo ausgesehen haben.



Am Straßenrand tauchten immer wieder kleine, schwarz-weiße Schimpansen auf, doch bevor wir sie photographieren konnten, waren sie schon wieder verschwunden.



Als wir schließlich, nach fast zwei Stunden Fahrt, das ausgedehnte Waldgebiet verließen, in der Nähe von Gikongoro kamen wir an intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen vorbei, die sich besonders durch ihre Terrassenwirtschaft auszeichneten, eine Technik, die unsere kongolesischen Freunde auch gerne in Luhwindja und Burhinyi einführen möchten. Doch die dortigen Bauern müßten die Vorteile erstmal kennenlernen. Deshalb würden sie gerne mit ihnen einmal einen Ausflug hierher nach Gikongoro machen.




Die Straße führt dann an Butare vorbei und ist überall von Neubauten gesäumt. Ruanda ist hier sehr viel entwickelter als der Kongo und auch sehr viel entwickelter als noch vor vier Jahren. Eigentlich sind Kongo und Ruanda gar nicht mehr zu vergleichen. Allerdings habe ich einige Zweifel, ob auf dem Land jenseits der Straße die Verhältnisse auch so gut sind. Die Blicke in die Ferne hinterlassen den Eindruck, daß auch hier die Lebensbedingungen wie ehedem sind, während die Regierung speziell die Umsiedlung an die ausgebaute Straße fördert, wo auch die Versorgungsleitungen sich alle befinden.

Über sechs Stunden dauert die Fahrt nach Kigali. Der Fahrer kann selten schneller als 60-80 km in der Stunde fahren, da oft starker Verkehr ist, auch von Fußgängern. An diesem Donnerstagmittag sind unzählige Schulkinder in ihren blauen Schuluniformen auf dem Heimweg.

In Kigali nehmen wir eine Umgehungsstraße und können jetzt erst richtig sehen, wie diese Stadt sich ausgedehnt hat. Möglicherweise ist Kigali inzwischen schon eine Millionenstadt. Das Zentrum kann's inzwischen mit jeder europäischen Stadt aufnehmen und auch in den Vororten sind viele neue Wohnviertel gebaut worden. Dort, wo ich vor vier Jahren noch in einem sogenannten Slum-Viertel gefrühstückt hatte, ist jetzt alles abgerissen und Baustelle. Auch hier dürften demnächst die 08/15 Häuser errichtet werden, die irgendwie alle so ähnlich aussehen wie die Townships in Südafrika.

Als wir am Flughafen ankommen, beginnt gerade der Check-in unserer Fluggesellschaft. Damit kommen wir ins System und verlassen sozusagen den Boden Afrikas. Das Gebäude scheint klimatisiert zu sein, während draußen die glühende Hitze ist. Endlich mal ein heißer Tag. In den letzten Wochen habe ich - mit Ausnahme von Uvira - öfters gefroren als geschwitzt. Das Gepäck ist jetzt viel leichter als beim Hinflug. Wir geben noch die letzten Dollars für "Duty free"-Produkte ein, ich kaufe vor allem ruandischen Kaffee und Tee ein. Am Spätnachmittag hebt der Flieger ab Richtung Victoriasee und dann weiter nach Addis Abeba. Dort empfängt uns wieder - wie beim Hinflug - strömender Regen. Ach ja, hier, nördlich des Äquators, ist ja immer noch die Regenzeit. Sie meint's gründlich. Der Regen prasselt auf's Dach der Halle des Bole-Flughafens, wo wir umsteigen müssen. Spät in der Nacht hebt unser Flieger ab Richtung Frankfurt. Ich verstopfe mir die Ohren und träume schon wieder von Deutschland. Wirklich? Oder sind's nicht eher Alpträume? Afrika ist so frisch und jung. Ich war fast wie zu Hause und der Abschied von "Mutter Afrika" ist gar nicht so einfach, auch nicht für einen Mzungu... Vor allem ihre vielen, fröhlichen Kinder werden uns unvergeßlich bleiben...



Auf Wiedersehen!