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Kongoreise 2009


Aus einer Email aus Bukavu vom 1.4.09 (6)

Heute ist der letzte Tag in Bukavu. Morgen frueh fahren wir zum Flughafen Cyangugu und ich fliege direkt bis Kigali-Flughafen - in 25 Minuten statt 6 Stunden Busfahrt und Uebernachtung in Cyangugu im Hotel.
...Aber wenn's stark regnet verwandeln sich
die Strassen in der Unterstadt, die zum See fuehren, in reissende Stroeme, weil die Kanalisation nur sehr begrenzt aufnahmefaehig ist und von den oberen Stadtteilen und Haengen das ganze Regenwasser irgendwohin fliessen muss. Gluecklicherweise trocknet alles ganz schnell und selbst wenn man nasse Fuesse hat ist das angenehmer als in Deutschland....

Lastwagen im Zentrum von Bukavu vor der Filiale der Nationalbank - muss dort durch eine tiefe Wasserpfütze fahren, weil die Straße seit 50 Jahren nicht repariert wurde...

Brief aus dem Kongo vom 30.3.2009(5)

Liebe Freunde,
heute ist mein letzter Tag in Bukavu. Ich habe alle Aufforstungsprojekte besucht und die kleineren Flaechen des 100.000-Baeume-Projektes in Luhwindja hat Hendrik S. besucht. Aus dem letzteren Projekt werden kleine Baumschulen ausserdem in Kaziba, Burhinyi, Katana (am Rande des Kahuzie-Biega-Nationalparks) und eine kleine Flaeche auf der Insel Idjwi im Kivusee aufgeforstet.
Sehr zufrieden sind wir in Mushenyi. Dort ist  schon ein Viertel der Flaeche bepflanzt.

Bäumepflanzen in Mushenyi

Sehr zufrieden sind wir auch in Uvira. Man hat einheimische Samen genommen, die gut gedeihen und - trotz des viel heisseren Klimas - auch schon gut im Wuchs sind.

Noch ist in Uvira nur Gras zu sehen, aber dazwischen sind schon Bäume gepflanzt...

Nicht so zufrieden waren wir mit der Agroforestry in Kamisimbi, wo die Baumschulgaertner technische Fehler gemacht haben und der Projektleiter ist seit sechs Wochen aus politischen Gruenden in Goma im Gefaengnis... Hendrik S. und ein anderer Agronom sind seit gestern nochmal dort, um eine Schulung fuer die Baumschulgaertner durchzufuehren und ich habe klar gemacht, dass sie bei der naechsten Kampagne, wie geplant, auch in die Flaeche gehen muessen, egal wie der Stand bei der Agroforestry ist. Die grossen Erfolge sind in der Flaeche zu sehen, wenn man erstmal weiss, was dort gut waechst. Hendrik S. war von der Auswahl der Bepflanzung in Burhinyi positiv beeindruckt und wird dies sicherlich auch berichten.
Mit dem Lorena-Ofen gab's Probleme in Uvira, weil dort weder Ton noch Lehm in der Naehe zu finden ist. Wir haben uns jetzt fuer ein Ziegelsteinmodell entschieden.

Lorena-Ofen in Uvira. Leider muß Lehm oder Ton von weither transportiert werden...

Mit dem Mwami von Burhinyi haben wir inzwischen beste Beziehungen und er wuerde uns in Zukunft (mit freiwilligen Helfern) kraeftig unterstuetzen.

rechts der junge Mwami von Burhinyi

Erstens ist in Burhinyi nur ein Teil der 18 Groupments beim letzten Projekt beruecksichtigt worden (Burhinyi hat die Flaeche der Grossstadt Koeln), zweitens gibts noerdlich von Luhwindja und Burhinyi Gebiete, die einbezogen werden koennten und moeglicherweise muessten wir versuchen am Rande von Kahuzie-Biega etwas zu machen, der durch den Holzbedarf bedroht ist. Ich hoffe immer noch darauf, dass die EU dazu mal wieder einen Call for Proposal macht, wie das schonmal war.
Ich wuerde gerne den Vizegouverneur Jean-Claude Kibala sozusagen als "Schirmherr" gewinnen, weil ihm die oekologische Situation der Provinz eine grosse Sorge ist. Und er hat uns ja auch Unterstuetzung zugesagt, wenn noetig. Jedenfalls finden wir bei ihm ein offenes Ohr.
Wir haben viele Bilder gemacht und auch von den Partnern bekommen, die wir demnaechst gemeinsam auswerten koennen.
Morgen ist der Rueckflug. Freitagmittag sollte ich wieder in Duesseldorf sein. Hendrik S. bleibt noch bis Ostern. Er wird mit Innocent Balagizi noch einiges unternehmen, u.a. in Mushenyi und in Kahuzie Biega (um als Vergleich auch den natuerlichen Urwald kennenzulernen). Hendrik S. hat schon beachtliche Fachkenntnisse und wird den Leuten, insbesondere Herrn Balagizi, eine grosse Hilfe sein koennen, denke ich.
Viele Gruesse aus Bukavu
Heinz Rothenpieler

Brief aus dem Kongo vom 27.3.2009
(4)

Die letzte Woche waren wir auf dem Land und das Mobiltelephon funktionierte nicht. Hier in Bukavu ist wieder alles ok. Aber ein Anruf aus und nach Europa ist ueber die normalen Kanaele suendhaft teuer. Mit Karten etwas billiger. Bis Sonntag seid Ihr noch eine Stunde zurueck. Wir haben hier "griechische Zeit", dann sind wir wieder gleich. Im Moment ist Kinshasa gleich mit Europa.
Ansonsten laeuft alles normal. In den letzten Tagen bin ich oft durch Elendsviertelt gestapft, um Leute zu besuchen und Kleinstprojekte, vor allem der ehemaligen Kindersoldaten, die jetzt in verschiedenen Vierteln in kleinen Werkstaetten arbeiten. Viele von ihnen habe ich letztes Jahr noch bei der Ausbildung gesehen. Ja, ich habe einige Filmaufnahmen und Bilder und hoffe, noch mehr machen zu koennen. Ist manchmal heikel. Ich habe Hemmungen, die Menschen in ihrem Elend einfach so zu photographieren.


In einem der vielen Armenviertel in Bukavu.

Und das Elend und die Verhaeltnisse sind einfach unglaublich. Beispielsweise haben wir gesehen, wie den Kindern draussen eine Schale Reis hingestellt wurde und sie stuerzten darauf wie ausgehungerte Woelfe, vieles wurde auf die schmutzige Erde verstreut - und das haben sie auch noch mit Heisshunger gegessen... So sind die Verhaeltnisse hier....  Dabei sind die Kinder wunderbar. Oft sind wir von Kindern umgeben und nicht alle haben immer Hunger. Oft zeige ich den Kindern die Photos, die ich von ihnen gemacht habe und sie haben riesigen Spass, wenn sie sich auf den Bildern sehen.
Morgen fahren wir nach Uvira an den Tanganjikasee, bis Montag.


Brief aus dem Kongo vom 25.3.2009 (3)

Liebe Freunde,
seit gestern sind wir von der Rundfahrt Mushenyi - Luhwinja - Burhinyi - Kamisimbi (Muku) zurueck. Eine halbe Stunde spaeter ging ein unglaubliches Gewitter ueber Bukavu nieder. Heute morgen gabs ein kleines  Erdbeben, wie relativ haeufig in diesem Gebiet, aber nur wirklich leicht spuerbar. Die eigentlich reparierten Strassen sind durch die Regenzeit oft wieder ziemlich aufgeweicht und erodieren. Wir hatten einige unglaubliche Schlammstellen zu bewaeltigen. Man benoetigte eigentlich nicht nur tropische Medizin und tropische Forstwirtschaft, sondern auch Hoch- und Tiefbau in den Tropen. Das muesste oft ganz anders angegangen werden....
Die Begegnungen auf dem Land waren herzlich und intensiv. Ueberall wurden wir - wie ueblich - von den Kindern bestaunt, die aber manchmal leider, wenn sie einen Muzungu sehen, reflexartig die Hand aufhalten.
In den meisten Orten kannte ich die Leute schon.

Als Geschenk hatte wir der "First Lady" von Burhinyi einen Solarkocher mitgebracht.

In Burhinyi wurden wir von der First Lady empfangen. Der Mwami musste noch in Bukavu bleiben, weil sein Jeep noch repariert werden musste. Sie hat die Audienz glänzend bewaeltigt und uns auch noch zu einem üppigen afrikanischen Essen geladen. Anschliessend hat sie uns den Garten gezeigt und die traditionellen Hütten des Mwami, wo er seine Leute empfängt. Burhinyi könnte die Schweiz Afrikas sein. Der Palast liegt auf einer Anhöhe, umsäumt von 3000 Meter hohen Bergen. Wunderschön..... Und am Horizont ist der noch unberührte Itombwe-Wald zu sehen. Burhinyi hat uns sehr gut gefallen. In Luhwinja waren wir nur einen Tag, um Hendrik abzuholen, der eine Woche dort war und ganz afrikanisch gelebt hat. Zugegeben, er war etwas geschafft.... Hat aber mit den anderen studentischen Praktikanten eine interessante Zeit gehabt. Ich konnte mit Emmanuel in Luhwinja einen Gottesdienst der Pfingstkirche besuchen. War zugegebenermassen etwas gewöhnungsbeduerftig. Und die Predigt in kisuaheli nahm kein Ende, über eine Stunde . Halleluja!

Aber gesungen haben sie ganz schoen.
Am Wochenende gehts noch nach Uvira. Die Pax-Christi-Schule, die in
Ecole Andreas Schillo umbenannt werden soll, steht auch noch auf dem Programm. Alle Kindersoldatenprojekte habe ich besucht und ausführliche Gespräche mit den jungen Leuten gehabt, die zum grösseren Teil bei den Mai-Mai waren. Die Ausbildung stabilisiert ihre Reintegration. Einige habe ich schon im vorigen Jahr gesehen.


Brief aus dem Kongo vom 20.3.2009 (2)

Liebe Freunde,
die erste Woche unseres Kongoaufenthaltes ist rum, mit vielen Höhen und Tiefen. Höhepunkte waren der Empfang beim Vizegouverneur Jean-Claude Kibala, der mit uns die Sicht der ökologischen Probleme des Kivus teilt und begeistert ist über das Vorhaben der holzsparenden Lehmöfen, das er bei KfW unterstützen will.... . Sie diskutieren in der Regierung das Holz zu besteuern....

Ein kleiner Knirps hat Holz für seine Mama geholt. Wir nehmen ihm die Last für einen Moment ab und schätzen das Gewicht - vielleicht 6 kg trägt der kleine Mann da auf dem Kopf...

Die Erosion entwickelt sich zu einem Megaproblem...  Mit Kibala haben wir jetzt einen guten Fürsprecher, wenn nötig.
Höhepunkt war dann die erste Begegnung mit zwei Mwamis (traditionellen Königen) bei einem informellen Essen, wo man einfach mal so beisammen sein konnte, bei "Mama Kindja" in Bukavu. "Unser" Mwami von Burhinyi und sein Nachbar aus Namuzimu, dem Regenwaldgebiet. Heute wollen wir nach Burhinyi fahren und werden ihn nochmal sehen.
Schwierig war der Sonntag, wo Hendrik und ich unten beim Markt Richtung Kavumu wegen Fotografierens (des Holzmarktes ausgerechnet) verhaftet wurden für zwei Stunden in den Händen der DGM waren (Immigrationsbehörde), wo uns dann Emmanuel rauskämpfte und gegen Zahlung von 50 Dollar. Die Kongolesen sind wütend und haben schon den obersten Chef informiert, der ein Freund eines Freundes ist usw... Die Weissen Väter lachten und sagten, jetzt hätten wir auch diese Erfahrung gemacht, sie hätten dauernd solche Probleme...
Sehr schwierig waren die Verhandlungen über das Mikrokreditprojekt, weil die beiden Netzwerke, die hier zusammenarbeiten müssten, offenbar unterschiedliche "Kulturen" haben.
Unsere Partnerorganisation ADMR ist inzwischen offiziell "Mikrokreditbank" und nach langer Zeit von einem entsprechenden Netzwerk anerkannt - begründet von der hollaendischen Entwicklungszusammenarbeit - die staatliche Anerkennung läuft. Damit ist der erste Schritt zu Papa Raiffeisen gemacht, mit landwirtschaftlichem und Spar- und Darlehnszweig.
Heute früh treffen wir den Leiter von Malteser International, der auch in Burhinyi arbeitet und eine grössere Kooperation plant, die mit uns abgestimmt werden soll. Ich kenne ihn schon von Deutschland her.  "Natürlich" habe ich auch schon meinen Brechdurchfall hinter mir, der wohl obligatorisch ist. Die Weissen Vaeter haben mich liebevoll wieder aufgepäppelt mit Salzwasser und Reis.
Vorgestern kam Joseph Kabila nach Bukavu und blieb bis gestern. Gestern war er sogar in der Kaserne unmittelbar neben dem Domizil der Weissen Väter. Die Stadt spielte verrückt. Leider durfte ich nicht fotografieren....
Vorgestern war sogar deswegen ein halber Feiertag ausgerufen worden und alle wurden zum Jubeln geschickt. Unglaublich, sowas zu sehen. Hunderttausende auf den Beinen. Ich wüsste gerne, obs Freibier gab.
Sehr gute Gespräche mit Pax Christi, wegen der Unpässlichkeiten konnte ich die Schule noch nicht besuchen.
Hendrik ist seit Dienstag in Luhwindja und studiert dort mit dem Team die Situation und bereitet einige Messungen mit den Leuten vor. Ich glaube, er ist sehr zufrieden, endlich im tropischen Forst zu sein.
Wir fahren also heute dahin und sind dann in Burhinyi, Luhwinja und Mushenyi und besuchen das Tilapia-Projekt, dessen Initiator wir auch schon getroffen haben. Er gehört zu den Franziskanern.
Soviel aus Bukavu
Schöne Grüsse, hier ist nach dem vielen Regen wieder alles ganz klar und sonnig und in der Ferne sind wunderschön die Kahuzie-Biega-Gipfel zu sehen.
H.



Brief aus dem Kongo vom 14.3.2009 (1)
Liebe Freunde,
nachdem gestern die Emailverbindung nach 45 Minuten warten komplett zusammenbrach, heute kurz eine Nachricht aus dem wunderschönen "Herzen der Finsternis". Also: Überall krähen Hähne, überall tropfen Wasserhähne, ich bin wieder im Kongo. Wunderschönes Sommerwetter, ab und zu unterbrochen durch einen kräftigen Regenguss. Die Reise war sehr anstrengend, vor allem das letzte Stueck, die 6 Stunden Busfahrt von Kigali an die Grenze.
ADMR ist eine junge Mannschaft geworden. Ein super Team. Wir haben schon viel geplant und besprochen. Hendrik wird nächste Woche seine tropenforstwirtschaftlichen Untersuchungen machen und ich meine Beratungen bei den Projekten in Bukavu. Später die Fahrt aufs Land.
Internetverbindungen werden immer schwieriger. Die Mikrokreditgruppen warten jetzt schon auf mich, deshalb nur kurz: hier ist alles ok. Bis demnächst. Schöne Grüsse vom Ufer des Kivusees.
H.

Kleine Läden in einem Vorort von Bukavu, hoch oben Richtung Uvira - von vorne.


... und von hinten....